
19.06.2026
Arbeitsgestaltung als Handlungsfeld für Betriebsräte
Von Volker David
Das aktuell veröffentlichte Buch „Arbeitsgestaltung als Lern- und Handlungsfeld der IG Metall – Exemplarische Aktivitäten und Debatten von den 1950er Jahren bis zur Jahrtausendwende“ zeichnet die Geschichte der gewerkschaftlichen Debatte um Arbeitsgestaltung in der IG Metall nach.
Es zeigt, wie aus Abwehr gegen Taylorismus, Rationalisierung und Dequalifizierung schrittweise ein aktives Gestaltungsverständnis von Arbeit wurde.
Für Betriebsräte ist die Lektüre besonders interessant, weil das Buch nicht nur historische Debatten beschreibt, sondern konkrete Handlungsfelder wie Gruppenarbeit, Mitbestimmung am Arbeitsplatz, Qualifizierung, Entgeltfragen und betriebliche Gestaltungsspielräume entlang realer Beispiele aus der Metall- und Automobilindustrie aufarbeitet.
Die Autoren machen deutlich, dass die IG Metall Arbeitsgestaltung stets auf zwei Ebenen gedacht hat: Tarifpolitik und Betriebspolitik. Gerade diese Verbindung ist ein roter Faden des Buches, weil sie erklärt, warum gute betriebliche Lösungen oft nur dann stabil werden, wenn sie tariflich abgesichert sind.
Für Betriebsräte ist das Buch ein praxisnaher Erfahrungsfundus, weil es zeigt, welche Konflikte bei Gruppenarbeit, Automatisierung, Taktung, Leistungsregulierung und Beteiligung typischerweise entstehen und wie betriebliche Interessenvertretungen darauf reagiert haben. Besonders hilfreich sind die Fallbeispiele aus Betrieben wie VW, Ford, Opel, Daimler, ZF oder Mann+Hummel, weil sie typische Konstellationen von Aufbruch, Aushandlung und Rückschlag sichtbar machen.
Fazit
Gruppenarbeit stärkt die Systemresilienz von Produktionssystemen, weil sie Wissen, Verantwortung und Problemlösung dorthin verlagert, wo Störungen entstehen und Produktivität entfaltet werden muss.
Das Buch ist eine gute Hintergrundlektüre für unseren aktuellen Tätigkeitsreport Produktion.
Wer einen kurzen Überblick zum Buch sucht, findet diesen hier:
Über Volker David
Volker David, Diplom-Arbeitswissenschaftler und Diplom-Politikwissenschaftler, seit 2022 feste Mitarbeit beim ffw im Projekt transform.by.



