
22.07.2026
Wer hat Lust auf Veränderung?
Mobilitätskonferenz „Gestaltungskraft und Handlungsmacht im Strukturbruch“ zeigt Schlüsselrolle von Betriebsräten auf
Die Mobilitätskonferenz von IG Metall Bayern und ffw stellte am 21. Juli 2021 im Ingolstädter Maritim-Hotel die Umbrüche der Automobil- und Zulieferindustrie ins Zentrum. Sie zeigte eins ganz klar: es geht darum, jetzt Flagge zu zeigen und sich als Betriebsrat proaktiv einzumischen. Denn „Nichts ist sicher“ (Prof. Klaus Dörre) und die „Entscheider wirtschaften den Standort Bayern herunter“(Horst Ott).
Vor diesem Hintergrund stellt der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Horst Ott, zu Beginn die Ergebnisse der Betriebsrätebefragung vor. Sie zeigen klar, dass Kostensenkung bayerischen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, aber v.a. den Betrieben der Automobilwirtschaft, wichtiger ist als die Investition und der Fokus auf Innovation. Nur noch knapp die Hälfte der Betriebe im Automotive-Sektor verfügen über ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell, so das Ergebnis der Befragung. Die ausführlichen Ergebnisse werden in Kürze auf dieser Webseite zur Verfügung gestellt.
In einer breit angelegten Panel-Diskussion bestätigen die stellv. BR-Vorsitzenden der Audi AG, Karola Frank, sowie von ZF Friedrichshafen Schweinfurt, Oliver Moll, dass die Situation angespannt ist und das Management jetzt in der Pflicht steht, zu liefern. Über Zukunftsvereinbarungen sind dort wichtige Weichen gestellt worden, die auch Innovationsverpflichtungen enthalten. Hier wollen die Betriebsräte genau hinschauen, was davon wirklich umgesetzt wird.
Eine spannende Debatte entwickelte sich zum Thema Künstliche Intelligenz, insbesondere humanoider Robotik, sowie zum „Gap“ zwischen China als Technologieführer und Deutschland, dem „Land der Ingenieure“. Jens Beckmann, der regelmäßig in China ist und Betriebsräte in Unternehmen mit chinesischen Anteileignern betreut, sagt ganz klar, dass wir unsere Haltung zu dem neuen Konkurrenten überdenken sollten. Es gibt weiterhin viele Falsch- und Vorurteile zu China. Der dortige Fünfjahresplan ist ein klarer Hinweis, wo die Industrie hingeht. Prof. Dr. Schönmann, Experte für Technologie-Foresight, Technologiebewertung und die Zukunft industrieller Wertschöpfung an der TH Ingolstadt, warnte in diesem Zusammenhang, dass in China KI und Human Robotik einen hohen industriepolitischen Stellenwert haben. Auch wenn sich der Einsatz von humanoiden Robotern in der Industrie aktuell noch weitgehend im Experimentier- und Anlernstadium befindet – die Innovationsdynamik ist enorm hoch. Hier den Anschluss zu verlieren wäre mit hohen Risiken für Unternehmen und Beschäftigte verbunden.
Wolfgang Anlauft, Geschäftsführer der ffw GmbH führte aus, dass es in der Betriebsratsarbeit besonders wichtig ist, vorausschauend zu agieren, um eine möglichst hohe Wirksamkeit bei Standort- und Beschäftigungssicherung und guten Arbeitsbedingungen zu erreichen. Zentrale Themen dabei sind: Innovation und Beschäftigung, Strategische Personalentwicklung und die Gestaltung digitaler Technologien inkl. Künstlicher Intelligenz.
Nach der Mittagspause wurde in drei Foren intensiv über die konkreten Vorgehensweise in den Betrieb gesprochen.
Dabei stand im Forum 1 „Innovation und Beschäftigung“ im Mittelpunkt, dass Innovation eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit ist und betriebliches Innovationsmanagement, von der Erfindung bis zur Marktreife, als sozialer Prozess begriffen werden kann, den der Betriebsrat aktiv gestalten muss, damit Beschäftigung am Standort gesichert wird. BR-Motto: Schützen durch Gestalten!
Es wurde von Volker David, Arbeitswissenschaftler vom ffw, geleitet. Klaus Mertens von ZF Friedrichshafen Schweinfurt stellte einen spannenden Input vor. Seval Günez von Schaeffler Technologies Gunzenhausen schilderte die Transformationsaktivitäten des Betriebsrates gemeinsam mit dem Standort-Management.
Im Forum 2 „Digitaler Umbruch und KI“ wurden in einem interaktiven Ansatz konkrete Handlungsempfehlungen in drei zentralen Gestaltungsfeldern erarbeitet:
- Warum sollten Betriebe jetzt eine KI-Rahmenvereinbarung erarbeiten und was sollte sie enthalten?
- Was braucht der Mensch, damit er bei der Arbeitsteilung mit der KI den Hut aufhat und entscheiden kann, statt zum Anhängsel ohne Eingriffsmöglichkeiten zu werden?
- Wie kann Beteiligung der Beschäftigten beim KI-Einsatz geschehen? Was muss beachtet werden?
Das Forum wurde für das ffw von Andrea Baukrowitz und Karlheinz Hageni moderiert. Beide sind langjährige Experten im Themenfeld Digitalisierung, KI und Gute Arbeit.
Das Forum 3 beschäftigte sich mit der „Strategischen Personalplanung“. Als zentrale Erkenntnis nahmen die Teilnehmenden mit, dass eine vorausschauende Personalplanung und eine daran ausgerichtete Qualifizierung das Fundament für Innovation und eine erfolgreiche Transformation bilden. Nur wenn Unternehmen frühzeitig erkennen, welche Kompetenzen künftig benötigt werden, können sie Beschäftigung sichern, Fachkräfte gezielt entwickeln und Veränderungen aktiv gestalten. Entscheidend ist dabei, Personalplanung eng mit der Unternehmensstrategie, den geplanten Investitionen und der Beteiligung der Beschäftigten zu verzahnen.
Das Forum stand unter der Regie von Diana Ochsenkühn und Thomas Habenicht, beide erfahrene Experten im Kontext der Personalentwicklung.
Insgesamt gingen die rund 80 Teilnehmenden mit praktischen Informationen für ihre Betriebsratarbeit nach Hause und mit viel Lust an der notwendigen Veränderung in ihren Betrieben. Wir danken allen für ihre Teilnahme!
Unser Dank geht auch an das weitere Team vom ffw und IG Metall: Andrea Fehrmann und Martin Züchner für die Moderation am Vormittag sowie Heidi Preisig-Brooks, Antonija Kavajin und Jacqueline Berger für die Organisation im Vorfeld und vor Ort!



