01.09.2025

Qualität der Arbeit: Nicht nur eine Frage in Autohäusern

Die Erkenntnisse der Fallstudien im Rahmen von transform.by hat das ffw in vier Reports aufgeschrieben. Dabei wurde im Bericht zum Kfz-Handwerk und -Vertrieb (Report „Service und Vertrieb“) explizit der Aspekt der soziotechnischen Systemgestaltung mit dem Index Gute Arbeit in Verbindung abgebildet. In der Arbeitsforschung ist unstrittig, dass im Zusammenspiel von sozialen und technischen Systemen in der Arbeit große Potenziale für die individuelle Beschäftigungsfähigkeit, die Arbeitsfähigkeit und den Erfolg der Arbeit liegen. Wenn dieses Zusammenspiel entsprechend gestaltet wird, ergeben sich produktive und langfristige Beziehungen der Betriebe mit ihren Mitarbeitern, aber auch mit ihren Kunden. Da die soziotechnische Systemgestaltung offen und dynamisch ist, sich also permanent im Austausch mit ihrer Umwelt verändern kann, ist sie eine dauerhafte Gestaltungsaufgabe des Betriebes. In diesem Kontext ist der Index Gute Arbeit sehr hilfreich, da er anhand verschiedener Kriterien dazu beitragen kann, das soziotechnische Systemgestaltung, also die Qualität der Arbeit, verbessert wird. Dabei werden jährlich elf Aspekte in drei Teilindizes bewertet:

In regelmäßigen Befragungen werden Beschäftigte seit dem Jahr 2007 gebeten, ihre Einschätzungen zu den Arbeitsbedingungen in ihrem Betrieb abzugeben. Im Jahr 2012 wurde der Fragebogen angepasst und seitdem haben sich mehr als 88.000 Menschen beteiligt. In der Bewertung der einzelnen Kriterien ergibt sich bspw. für das Kfz-Handwerk (Branche „Handel; Instandhaltung/Reparatur von Kfz“) folgendes Bild für das Jahr 2025:

Insgesamt gibt es keinen Bereich, in dem die Arbeit als gut bewertet wird. Am besten bewertet werden hier der „Sinn der Arbeit“, die „Arbeitszeitlage“ und die „Beschäftigungssicherheit“. In einer Branche, die weitgehend noch von Personen aufgesucht wird, die eine gewisse Leidenschaft für das Auto mitbringen, ist der Servicegedanke und des Gefühl der Nützlichkeit sehr ausgeprägt. Meist arbeiten Autohäuser im Ein-Schicht-Betrieb, was gute Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatem mit sich bringt. Die Beschäftigungssicherheit verhält sich diametral zur Situation bei den Zulieferern in der Industrie: durch die längere Haltedauer der KfZ durch die Nutzer:innen ergibt sich ein Mehrbedarf an Wartung und Service wie auch das sog. „Verbrenner-Aus“ nicht dazu führen wird, dass Kenntnisse über Benzinmotoren vor 2045 obsolet werden.

Im Vertrieb ergeben sich durch die E-Mobilität neue Chancen, da der Hochlauf auch in Deutschland immer mehr Fahrt aufnimmt. Dagegen werden die Arbeitsintensität, das Einkommen und die (fehlenden) betrieblichen Sozialleistungen bewertet. Die Intensität ergibt sich aus einer Kombination aus Beschäftigungsrückgang in den Betrieben des Kfz-Gewerbes wie auch der zuvor angedeuteten längeren Nutzungsdauer mit entsprechendem Service-Bedarf.

Während sich in der Automobilindustrie die bisher dargestellten Bewertungen Guter Arbeit fast identisch darstellen, gibt es in puncto Einkommen und betrieblichen Sozialleistungen deutliche Unterschiede. Hier wird im Bereich „Maschinen- und Fahrzeugbau“ das Einkommen mit 57 um mehr als 26% besser bewertet als im Kfz-Gewerbe. Bei den betrieblichen Sozialleistungen ist der Unterschiede etwas geringer, aber eben auch deutlich besser bewertet von den Arbeitnehmer:innen in der Industrie (58 Punkte vs. 50 Punkte). Auch in unserem Report wird dieses Thema auf Basis der tariflichen Unterschiede beschrieben. Es werden entsprechende Hinweise gegeben, wie damit ein Kfz-Handwerksbetrieb umgehen kann. Transform.by unterstützt (nicht nur) Betriebe im Kfz-Handwerk bei der Ausrichtung auf die Kriterien Guter Arbeit.

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